Hartmut Hopp – einst Vize-Chef der kriminellen deutschen Sekte „Colonia Dignidad“ und in Chile zu langjähriger Haft verurteilt – ist nach seiner Flucht aus Chile in Krefeld aufgetaucht. „Die nordrhein-westfälische Justiz ist bei der Aufarbeitung und Verfolgung der Verbrechen dieser kriminellen Organisation dringend gefordert“, erklärten heute Jan Korte, Mitglied im Vorstand der Bundestagsfraktion DIE LINKE, und Anna Conrads, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Landtag NRW. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Krefeld gegen Hopp.
Der heute 67-jährige Mediziner gehörte seit Mitte der 1970er Jahre zur engsten Führungsspitze um Sektenchef und Kinderschänder Paul Schäfer. Hopp hielt Kontakt zur chilenischen Militärdiktatur, deren Geheimpolizei auf dem Gelände der „Colonia Dignidad“ Regimegegner foltern und ermorden ließ. Als Krankenhausleiter setzte er Sektenmitglieder der Behandlung mit Psychopharmaka und Elektroschocks aus. Dazu sagte Anna Conrads: „Die nordrhein-westfälische Justiz muss prüfen, ob sich Hopp als Teil der Führung der ,Colonia Dignidad‘ strafbar gemacht hat, ob er etwa Mittäter bei Verbrechen des Pinochet-Regimes an Oppositionellen war.“ Darüber hinaus gebe es Hinweise, dass der angeblich mittellose Hopp, der in NRW Sozialhilfe bezieht, noch immer Zugriff auf das beträchtliche Vermögen der Sekte habe.
Für Jan Korte ist es „beschämend, dass die deutsche Justiz im Fall Hopp erst nach Interventionen des ,European Center for Constitutional and Human Rights‘ aktiv wurde“. Die deutsche Strafverfolgung käme allerdings ohnehin mindestens 30 Jahre zu spät, sagt der Bundestagsabgeordnete. Opferanwälten zufolge hat die Bundesregierung bereits zu Zeiten der Pinochet-Diktatur vom Treiben der „Colonia Dignidad“ gewusst. „Damals wäre es wichtig gewesen, der Sekte und den Schergen der Diktatur juristisch entgegenzutreten. Nun muss zumindest versucht werden, durch ernsthafte Strafverfahren Verantwortliche wie Hartmut Hopp zu überführen.“