12. September 2010

Integration ist nicht mit Sanktionen, sondern nur mit Förderung möglich

Ali Atalan, migrationspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag von NRW

Zu der anhaltenden Diskussion um Integration nimmt der migrationspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Ali Atalan, Stellung: "Die Integrationsprobleme in Deutschland sind Resultat der politischen Versäumnisse seit Jahrzehnten. Manche Kommentare und Verlautbarungen nehmen besorgniserregende Züge an. Biologistische und kulturalistische Aussagen werden relativiert und als ‚Tabubruch‘ verniedlicht. Täter und Opfer werden rigoros vermischt. Kein Wunder, dass die Stimmen nach Sanktionen und Restriktionen gegenüber Schutzlosen lauter werden."

"Die Verantwortlichen für das Scheitern eines ‚solidarisch-weltoffenen Zusammenlebens‘ (Integration) bedienen sich wieder Stereotypen und schieben Schuld auf die Betroffenen. Statt sachliche, zukunftsträchtige und gerechtigkeitsorientierte Lösungskonzepte umzusetzen, hält man weiter fest an verzerrten und verengten Sichtweisen, die schon längst versagt haben."

"Integration ist nicht lediglich eine Frage des Erlernens der Sprache und der Beteiligung am Arbeitsleben, sondern erfordert darüber viel mehr. Sie setzt neben Sprache, Bildung, Arbeit auch die rechtliche und tatsächliche soziale Gleichstellung voraus. Eine weltoffene, solidarische und friedliche Lebenseinstellung aller Menschen in der Gesellschaft ist der Schlüssel zur gewünschten Integration."

"Entscheidend in der Debatte dürfen nicht die Wahlumfragen sein, sondern fundierte und umfassende Konzepte und Förderungsmaßnahmen. Unabhängig von Nationalität und Religionszugehörigkeit müssen alle demokratischen Kräfte gegen jegliche rassistische, faschistische und reaktionäre Organisationen und Tendenzen vorgehen."

"NRW als traditionelles Einwanderungsland muss dabei eine Vorreiter-Rolle übernehmen, indem es sich anstrengt, alle diskriminierenden Strukturen zu bekämpfen und abzuschaffen. Parallel dazu muss in allen Lebensbereichen eine nachhaltige Förderung für alle Einkommensschwachen umgesetzt werden."