Das Erdbeben der Stärke 7,2 hat die kurdische Provinz Van in der Türkei schwer getroffen. Täglich steigt die Zahl der Todesopfer, von denen bisher ca. 500 geborgen werden konnten. Die Überlebenden der Bergregion harren seit Tagen im Freien aus, bei Temperaturen mit Minusgraden und einsetzendem Schneefall. Es gibt Dörfer, zu denen noch immer keine Hilfe gelangt ist. Die Menschen dort benötigen dringend Lebensmittel, ärztliche Versorgung und warme Kleidung.
Die türkischen Behörden haben in den vergangen Tagen Hilfslieferungen nach Van blockiert. Nachdem der Protest dagegen immer lauter wurde, hat die türkische Regierung nun signalisiert, endlich Hilfsorganisationen aus dem Ausland einreisen zu lassen. Die Fraktionsvorsitzende der LINKEN. NRW Bärbel Beuermann äußert sich trotzdem besorgt über die Lage in der Region, die sie erst im Juni als Wahlbeobachterin besucht hatte: "Uns erreichen immer haarsträubendere Berichte darüber, wie die Provinzpräfektur Hilfsleistungen aus dem In- und Ausland blockiert. Der Bürgermeister von Van, der der prokurdischen BDP angehört, berichtet von selektiver Verteilung der staatlichen Hilfen. Heute haben wir vom kurdischen roten Halbmond Heyva Sor mit Sitz im nordrhein-westfälischen Niederkassel erfahren, dass er an der Lieferung von 5 Tonnen Sachspenden, darunter Winterkleidung, gehindert wird." In den türkischen Medien setzt sich vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und türkischem Militär in den letzten Tagen zunehmend die Haltung durch, den Kurden in Van Hilfe zu verweigern. Bärbel Beuermann kommentiert dazu: "Hier werden politische Debatten auf dem Rücken hilfsbedürftiger Opfer einer Naturkatastrophe geführt. Der türkische Staat ist zur Unterstützung aller seiner Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen verpflichtet, ob sie nun Kurden oder Türken sind. Wir fordern daher umgehend von den türkischen Staatsstellen die Bergung der Opfer, Versorgung der Überlebenden und einen raschen Wiederaufbau der kurdischen Region Van."