Der Bilanz der europäischen LINKEN schließt sich Hamide Akbayir, frauenpolitische Sprecherin der LINKEN im Landtag NRW, an und begrüßt die Initiative des Europäischen Parlaments, die Lage von Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen erstmals umfassend zu behandeln.
Denn es ist längst überfällig, dass Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen ein gewerkschaftlicher Schutz ihrer Ansprüche auf ein menschenwürdiges Entgelt, Mutterschaftsurlaub, faire und reguläre Arbeitsstunden und ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld gewährleistet wird. Standardarbeitsplätze sollen künftig entsprechend den Prinzipien von „guter Arbeit“ gestaltet und nicht in prekäre Beschäftigung umgewandelt werden. Die Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse soll insgesamt reduziert werden.
Laut Ministerium für Arbeit und Soziales sind es im Land Nordrhein-Westfalen vor allem alleinerziehende Frauen, kinderreiche Familien und Kinder, die überdurchschnittlich häufig von materieller Armut betroffen sind. Da, wo mehrere Armutsrisiken zusammenkommen, also ein niedriges Erwerbseinkommen, Kinder im Haushalt, Alleinerziehende, Erwerbsunterbrechung wegen Kindern oder Arbeitslosigkeit, ist eine beträchtliche Tendenz zur Armut gegeben.
Um die Haus- und Sorgearbeit zu vereinbaren sind Frauen bereit prekäre Beschäftigungen anzunehmen: Teilzeitarbeit, 1- Euro Jobs, Minijobs und Ich- Ag`s sind an der Tagesordnung. Arbeitspolitische Bemühungen, die hier ansetzten, werden von Hamide Akbayir grundsätzlich begrüßt und stellen einen ersten Schritt in eine willkommene Richtung dar. Aus einer geschlechterpolitischen Perspektive greifen sie aber insgesamt zu kurz.
Denn es ist kein Geheimnis: Die prekären Beschäftigungsformen waren schon von jeher den Frauen vorbehalten und werden deshalb als typische Frauenarbeiten bezeichnet. Frauen sind aber weitergehend von Armut bedroht, denn eines der wichtigsten Strukturmerkmale dieser Gesellschaft ist die mangelhafte Absicherung der privaten Betreuungsarbeit. Frauen sind von Armut bedroht, weil überwiegend sie die unbezahlte Arbeit leisten, Kinder und hilfebedürftige Menschen versorgen und pflegen und dafür keinen Lohn erhalten, - sieht man einmal von den völlig unzureichenden und für Männer unattraktiven Löhnen wie Elterngeld und Pflegegeld ab.
Für die Zukunft sind deshalb echte Reformen erforderlich, - Almosen alleine reichen nicht mehr aus! Die Bekämpfung von Armut erfordert eine Politik, die auch an den ungerechten materiellen und sozialen Lebenschancen zwischen den Geschlechtern ansetzt und zu deren Zielsetzungen soziale Gerechtigkeit gehört. Im Wesentlichen: ein gesetzlicher Mindestlohn, gleiche und transparente Lohnverhältnisse, die Abschaffung des Ehegattensplittings, die Einführung einer bedarfsorientierten Mindestsicherung (Grundeinkommen), Infrastrukturangebote für Betreuungsarbeit und der Aufbau einer eigenständigen Alterssicherung.