Neben dem letzten Plenartag am vergangenen Donnerstag, 04.02.2011 im nordrhein-westfälischen Landtag besuchten die Vertreter der Kriegsdienstverweigerer von der Initiative ‘Dut Agaci‘, Emrah Tuncer und Ercan Aktaş aus der Türkei, die Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE – die frauen- und umweltpolitische Sprecherin Hamide Akbayir und den friedenspolitischen Sprecher Ali Atalan.
Die beiden Gäste folgten der Einladung der ParlamentarierInnen Akbayir und Atalan, dabei zeigten sich beide Seiten sichtlich erfreut über das Zusammentreffen.
Das Kollektiv ‘Dut Agaci Kollektifi‘ (Maulbeerbaum) wurde 1989 von Männern und Frauen, die primär vom Wehrdienst betroffen waren, gegründet. Die Intention dieses Kollektivs erschließt sich aus dem Zusatz, dass Krieg kein Mittel für nachhaltigen Frieden ist und sie deshalb den Kriegsdienst als solches ablehnen. Für die Vereinigung der Kriegsdienstverweigerer steht fest, dass sie als Soldaten Gefahr laufen, gegen Kurdinnen und Kurden in militärischem Gefecht eingesetzt zu werden.
Gegenwärtig zählen die Vertreter der Initiative 350 Mitglieder in ihren Reihen und Tag für Tag lassen sich neue junge Menschen zählen, die sich dem Militär widersetzen. Die Entwicklungen zeigen, so Emrah Tuncer und Ercan Aktaş: „Seit Jahrzehnten und noch immer führt der Türkische Staat Krieg gegen KurdInnen. Das Militär hat im Kampf gegen KurdInnen viele junge Männer kurdischer und türkischer Abstammung im kurdischen Gebiet eingesetzt und von Ihnen verlangt gegen eigene Genossinnen und Genossen zu kämpfen. Wer sich den Befehlen der Vorgesetzten widersetzt, bekommt es am eigenen Leib zu spüren. Oftmals erfahren wir von ungeklärten Todesfällen während des Wehrdienstes, doch das Militär begründet diese Fälle mit Schein-Argumenten. Die Verweigerung des Wehrdienstes hat weitreichende gesellschaftliche, aber auch juristische Folgen. Teilweise finden sich die Verweigerer vor Gericht wieder beziehungsweise sogar in Haft, so wie bei Inan Suver dem 3-fachen Familienvater, der eine Haftstrafe verbüßen muss.“
Die Abgeordneten Akbayir und Atalan erklären der Initiative ‘Dut Agaci‘ ihre Solidarität und begrüßen ihren Mut zur Entwicklung dieses Widerstandsgeistes unter der gesamten Bevölkerung in der Türkei. „Ausgesprochen begrüßenswert ist, dass sich nicht nur primär vom Krieg betroffene KurdInnen in der Initiative widerfinden sondern aus allen ethnischen Gruppen in der Türkei lebende Menschen daran beteiligt sind, so Akbayir und Atalan.“